19.09.2010

"Rheinpfalz“ 16.09.2010 „Arzthonorare steigen in der Krise deutlich" - Replik

Der folgende Leserbrief wurde von der Rheinpfalz nicht angenommen, da er der Institution KV zugeordnet wurde, der kein Recht auf Leserbriefe zugestanden wird:

Der Artikel in der „Rheinpfalz“ vom 16.09.2010 „Arzthonorare steigen in der Krise deutlich“ kann nicht unwidersprochen bleiben. Zwar beugt der Autor (rhetorisch sehr geschickt) in seinem Kommentar auf der folgenden Seite einer möglichen Kritik schon vor, indem er auf den Spruch verweist: „Traue keiner Statistik, die Du nicht selbst gefälscht hast“, aber ich komme nicht umhin, einige Punkte klarzustellen.

Es ist richtig, dass die Durchschnittsumsätze der Ärzte in Rheinland-Pfalz deutlich unter den Steigerungen in anderen Bundesländern geblieben sind (in Bayern und Baden-Württemberg sind die Honorare in der hausarztzentrierten Versorgung den KV-Zahlen hinzuzurechnen), aber auch die im Artikel genannten 7,3 % sind noch zu relativieren: Sie sind zum überwiegenden Teil durch zusätzliche Leistungen (z.B. Hautkrebsscreening) und durch gesteigerte Leistungsanforderungen der Versicherten erklärbar. Gerade bei den Hautärzten ergibt sich, rechnet man des Hautkrebsscreening heraus, eine Nullrunde.

Keine Gewerkschaft wird einen finanziellen Ausgleich für erhöhte Arbeitszeit und -leistung als Lohnerhöhung werten. Nur bei Ärzten scheint das zulässig.

In Rheinland-Pfalz ist es im Durchschnitt aller Ärzte so, dass eine um 7% höhere Arbeitsbelastung im Vergleich zum Bundesdurchschnitt einer um 6% niedrigeren Vergütung, ebenfalls bezogen auf den Bundesdurchschnitt, gegenübersteht.

Noch viel ärgerlicher ist jedoch, dass unentwegt Umsatz mit Einkommen verwechselt wird (ich vermag an keinen Zufall mehr zu glauben).

Die Neiddiskussion durch Durchschnittsumsätze gerade der Fachgruppen anzuheizen, die die höchsten Kostenfaktoren in ihrem Fachgebiet aufweisen, ist kein guter Stil.
Zu den Orthopäden ist zudem zu sagen, dass real ein Einkommensrückgang von 2009 zu 2007 von nahezu 10% pro Behandlungsfall zu verzeichnen ist.

Betrachtet man nun noch die Gesundheitsausgaben in Deutschland im Vergleich zum Bruttosozialprodukt in unserem Land, wird man feststellen, dass wir da nur europäisches Mittelmaß sind.
Sugggeriert wird aber den Versicherten (und zwar von der Politik!) ein Anspruch auf freien Zugang (sieht man von der Praxisgebühr einmal ab, von der mittlerweile mehr als die Hälfte der Versicherten befreit sind) zum gesamten Spektrum der Hochleistungsmedizin zu jeder Tages- und Nachtzeit. Dies ist weltweit einzigartig.
Daher kann keine Rede davon sein, dass die Politik nicht der richtige Ansprechpartner für Honorarfragen ist.

Dr. med. Sigrid Ultes-Kaiser



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